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Luise Büchner

Luise Büchner, die Namensgeberin unserer Schule, gehörte zur ersten Generation der deutschen Frauenbewegung.

Sie war die Schwester von Georg Büchner (1813-1837), dem Autor des Dramas Woyzeck und Mitverfasser der revolutionären Flugschrift Friede den Hütten! Krieg den Palästen!. Als dieser im Züricher Exil plötzlich an Typhus starb, war sie knapp 16 Jahre alt. Der geliebte Bruder wurde zur Leitfigur ihres eigenen Wirkens. Luise Büchner, 1821 in Darmstadt als sechstes Kind einer Arztfamilie geboren, war infolge eines Unfalls gehbehindert. Sie lebte mit ihrer ebenfalls ledigen Schwester Mathilde in der Familie des Bruders, Arztes und Naturwissenschaftlers Ludwig Büchner in Darmstadt. Autodidaktisch gebildet und an der zeitgenössischen Politik interessiert, engagierte sie sich 20 Jahre lang bis zu ihrem Tod 1877 publizistisch und praktisch als Frauenrechtlerin.

In der Gesellschaft ihrer Zeit waren die bürgerlichen Frauen auf ihre Rolle als Ehefrau, Hausfrau und Mutter festgelegt, hatten keinen Zugang zu höheren Schulen und blieben zeitlebens rechtlich unmündig. Diese existentielle Abhängigkeit zu beenden war das Ziel Luise Büchners und ihrer Mitstreiterinnen, die davon überzeugt waren, dass die Frauen allein über den Weg der qualifizierten Bildung und der unabhängigen eigenen Erwerbstätigkeit zu einem selbstbestimmten Leben und zur Entfaltung ihrer brachliegenden Talente gelangen könnten. In ihrer ersten Buchveröffentlichung Die Frauen und ihr Beruf. Ein Buch der weiblichen Erziehung forderte sie 1855 Lehr-Anstalten für Mädchen und die selbständige Berufstätigkeit der Frauen als Lehrerinnen oder Krankenpflegerinnen. Sie sah die Umgestaltung des socialen Lebens voraus, wenn alle diese ruhenden Kräfte in Bewegung gesetzt würden. Ihre Ideen von der Befreiung der Frau setzte sie auch in Initiativen um, indem sie gemeinsam mit Prinzessin Alice von Hessen-Darmstadt einen Frauenverein gründete, der die Krankenpflege zu einem bezahlten Beruf machte. Als Vizepräsidentin dieses Vereins setzte sich Luise Büchner in Versammlungen, Vorträgen und Streitschriften für die deutschlandweite Einrichtung von Frauenbildungsvereinen ein.

Luise Büchners Engagement in der sogenannten Frauenfrage wurde in der damaligen Öffentlichkeit hoch geschätzt und anerkannt, so zum Beispiel wurde sie 1873 aus Anlass einer Konferenz des preußischen Kultusministeriums als erste Frau gebeten, zu den Unterrichts- und Erziehungsfragen in der Mädchenschulbildung eine Stellungnahme vorzulegen.

Damals entwickelte Ausbildungsgänge werden heute an unserer Schule mit fachbezogenen und allgemeinbildenden Abschlüssen - nun aber gleichermaßen für Schülerinnen und Schüler - angeboten. Luise Büchners politisches und pädagogisches Wirken zeigt ihren Mut zur Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. In diesem Sinne steht  ihr Name für ein wichtiges heutiges Bildungsziel.