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„Langweilig ist mir nie!“ - Interview zum 40-jährigen Dienstjubiläum von Ilona Gasser

Die Jubilarin Ilona Gasser inmitten ihrer Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Schularten.

Beginnen wir am Anfang: Wie kamen Sie nach Freudenstadt an die Luise-Büchner-Schule?

Gasser: Nach bewegtem Studium, Referendardienst an der Gewerbeschule in Offenburg und einem Job am Stadttheater in Freiburg kam ich 1983 nach Freudenstadt an die Hauswirtschaftliche Schule. Dies war zunächst eine gewaltige Umstellung, kam ich doch zum einen aus einer Gewerblichen Schule und zum anderen aus der Stadt mit dem höchsten Freizeitwert.

Und wie war Ihr Start?

Gasser: Dank der Unterstützung durch Charlie Krüger (damals Schulleiter der Luise-Büchner-Schule) gewöhnte ich mich langsam in der Schule ein. Und die Schüler zeigten mir, was man in seiner Freizeit hier und in der Umgebung so alles machen kann.

Wie ging es für Sie an der Luise dann weiter?

Gasser: Ich gründete die Theater-AG, mein erstes großes Projekt. Über die Jahre folgte eine bunte Palette an verschiedensten Produktionen.

An welche Produktionen erinnern Sie sich denn am liebsten?

Gasser: Eine der ersten war die „Wild Banana Show“, ein Cabaret-Programm, mit dem wir auch im JUZ auftraten. In jährlichen Kleinkunstprogrammen öffneten wir die Bühne für jedermann und servierten passende Getränke und Speisen. Dann erinnere ich mich besonders gerne an den großen Abend im Kienbergsaal zum hundertjährigen Jubiläum unserer Schule: „Hundert Jahre sind ein Tag“. Lehrer, Schüler, Schulleitung und Sekretärin – alle haben bei diesem Programm mitgewirkt. Das Highlight aber für uns alle waren die drei Gastspiele im Freiburger Stadttheater, das uns in den regulären Spielplan aufnahm.

Das klingt fast nach einem Zweitjob, zumindest nach viel zusätzlichem Zeitaufwand.

Gasser: Ich war jung, es war eine wilde Zeit und vieles war möglich, was man sich heute nicht mehr vorstellen kann…

Und was kam dann?

Gasser: Die Unterrichtssituation in den Einjährigen Schularten war zur echten Belastung geworden. Ich gründete eine Art Selbsthilfegruppe, den „Eckigen Tisch“, die sich traf, um sich gegenseitig zu trösten. Irgendwann hatten wir das Jammern satt und fingen an, GEMEINSAM nach Lösungen zu suchen. Heute ist diese Vorgehensweise überall selbstverständlich geworden, damals waren wir echte Pioniere.

Gibt es diesen „Eckigen Tisch“ noch?

Gasser: Ja natürlich und er ist groß geworden. Die Arbeit des „Eckigen Tisches“ sprach sich auch außerhalb unserer Schule herum und wir wurden eingeladen, darüber zu berichten, an anderen Schulen, im Seminar, vor der GEW, wir waren ein Baustein in der Qualitätsentwicklung Unterricht. Heute nenne ich das „ Meine Wanderjahre“, eine anstrengende, aber total schöne Zeit.

Klingt als wäre diese Zeit vorbei…

Gasser: Ja, denn als Folge davon wurde uns angeboten, Pilotschule für die neue Schulart 2BFPE zu werden. Natürlich gingen wir wieder alles gemeinsam an, diesmal waren auch die Schülerinnen und Schüler der ersten Klassen mit im Boot, als Versuchskaninchen und als Botschafter. Eine ganz eigene Schüler-Lehrer-Kultur entwickelte sich.

Und heute?

Gasser: Inzwischen bin ich Abteilungsleiterin. Die BFPE habe ich abgegeben und neue „Kinder“ adoptiert: Zum Beispiel einen wirklich bunten Haufen aus aller Herren Länder, unsere Migrationsklassen. Mitzuarbeiten an der sprachlichen und kulturellen Integration dieser jungen Menschen ist eine tolle Aufgabe, die wir – wie sonst? – im Team angehen und der wir auch nur so gerecht werden können.

Das ist also Ihr derzeitiges Arbeitsfeld?

Gasser: Nicht nur. Da gibt es noch meine Kooperationsklasse Förderschule-Berufsschule. Schulkooperationen sind spannend und erweitern den schulischen Horizont. Deshalb gibt es mit der BVE/ KooBV noch eine weitere in meiner Abteilung, diesmal mit der Eichenäcker- und der Heinrich-Schickhardt-Schule, in der es um den Einstieg von Schülerinnen und Schülern mit Handicap in den ersten Arbeitsmarkt geht.

Sie haben sich demnach auf die Arbeit mit benachteiligten Schülerinnen und Schülern spezialisiert?

Gasser: Nein, das wär mir zu einseitig. Das Berufskolleg ist das älteste meiner „Kinder“. Mit einer erfahrenen Riege Kolleginnen und Kollegen verbessern wir Jahr um Jahr die Berufsorientierungs-Bausteine in dieser Schulart, wünschen wir uns alle doch auch für unsere „BKlerInnen“, dass sie nach Ausbildung oder Studium Fuß fassen in der Arbeitswelt und ein erfülltes und glückliches Berufsleben haben werden.

Also – langweilig ist mir nie!